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08.10.2008
Verletzter Schwan Molli hat auch weiterhin Probleme

Die Schwanenfamilie begeisterte einst ganz Ludwigshafen. Dann wurde Schwanenmama Molli mit einem Stein beworfen - und schwer verletzt. Richtig gut geht es ihr - trotz OP - immer noch nicht. Tierärztin Karin Weber will das verwundete Tier jetzt aufpäppeln.

Skeptisch blickt Tierärztin Karin Weber auf das soeben angefertigte Röntgenbild des verletzten Flügels einer Ludwigshafener Schwanenmutter. „Ich will jetzt nicht unken“, sagt sie vor einem seufzenden „Oje“. Aber an einer Stelle sei der Bruch noch nicht so stabil zusammengewachsen, wie er sein sollte. „Wenn wir jetzt die Pins (Nägel) entfernen, könnte es sein, dass der Knochen wieder bricht.“

Obwohl die komplizierte Operation gelungen ist, geht es Molli schlecht. Zur Erinnerung: Molli ist die Ludwigshafener Schwanenmutter, die durch einen gezielten Steinwurf im Kreise ihrer frisch geschlüpften Jungen einen komplizierten Trümmerbruch erlitten hat. Für einen Vogel in freier Wildbahn bedeutet dies eigentlich das Todesurteil. Um den Küken die Mutter zu erhalten, hatte sich seinerzeit die Ludwigshafener Tierärztin Karin Weber zur Operation entschlossen, die sie zusammen mit ihrem Tierarzt-Kollegen Marcellus Birkle durchführte. Der Wildvogel-Spezialist ist zur Unterstützung Webers wieder aus Karlsruhe angereist. „Die Achse ist genial. Das haben wir gut gemacht“, meint er. „Und was sagst du zum Ellenbogen?“, kontert Weber. „Der hängt so schlaff.“

Ärzte behandeln Wildtiere auf eigene Rechnung
Wieder ist es Mittwoch, als sich Birkle und Weber in der Ludwigshafener Tierarztpraxis um das Leben von Molli bemühen. Der Mittwoch ist der freie Tag beider Tierärzte, die wie fast alle Tierärzte Wildtiere quasi auf eigene Rechnung behandeln. „Tierarzt sein ist nicht nur ein Beruf, es ist ein Lebensgefühl“, erklärt Karin Weber. Es gibt auch Menschen, die dieses Engagement unterstützen. Zum Beispiel durch Spenden ins Kässchen zur Behandlung von Wildtieren.

Streit um das Revier
Eigentlich hätten Molli die Nägel schon eine Woche zuvor entfernt werden sollen. Doch da schwamm sie mit ihrer Familie weit draußen im See. Karin Weber, die sich auf die Suche nach ihr gemacht hatte, erkannte sie mit einem Blick durch das Fernglas, während sich zwei fremde Schwanenpaare um das Territorium der Ludwigshafener Schwanenfamilie stritten.

Kioskbesitzer Hochweber:  "Für d'Leut‘ war das immer eine Attraktion“
„Die letzten Tage war Molli nicht mehr da – auch ihre Jungen und der Schwanenvater nicht“, hatte damals Edwin Hochweber erklärt. Sein Kiosk liegt an der Hafenmole gegenüber dem Zollhaus. Zuvor sei die inzwischen handzahme Schwanenfamilie täglich morgens und abends zur Hafenmole gekommen, um sich ihr Futter in Form von alten, trockenen Brötchen abzuholen. „Den ganzen Sommer über waren sie da und haben uns zutraulich aus den Händen gefressen. Für d'Leut‘ war das immer eine Attraktion.“ Die Schwäne, die jetzt hier sind, seien ihm fremd. „Ich nehm‘ an, die kommen von Sipplingen.“ Die Ludwigshafener Schwanenfamilie erkenne man sofort. „D'Mutter lässt immer noch ihren Flügel lampen (hängen), und den blassrosa Verband trägt sie auch noch.“ Während Heerscharen von Menschen beim Lenk-Relief mit gezückten Kameras die Global-Players fokussieren, schauen andere mit ernster Miene über den See. „Es ist gemein, ein wehrloses Tierle kaputt zu schlagen“, ereifert sich ein Herr, während ein anderer mutmaßt, dass Karlchen, der Schwanenmann, mit einer gesunden Schwänin durchgebrannt sei.


Molli wurde in erbarmungswürdigem Zustand bei der Therme gefunden
Dies könnte erklären, warum Molli wenige Tage später allein und in erbarmungswürdigem Zustand bei der Überlinger Therme aufgefunden wurde. Nachdem sie eine Nacht im ausgedienten Schweinestall der Gemeinschafts-Praxis Scherrer verbracht hatte, wurde sie über ihre Ringnummer „RL 0354“ als die von Tierärztin Karin Weber operierte Schwänin identifiziert. Eine weitere Nacht verbrachte Molli wie seinerzeit vor ihrer Operation in dem ehemaligen Bodmaner Ziegenstall von Karin Webers Mutter Luzia. Von dort hatte sie die junge Tierärztin wieder in ihre Praxis geholt.

Als Molli nach dem Röntgen im schwanentypischen Watschelgang dem Ausgang zustrebt, pfeifen aus dem Hintergrund zwei Graupapageien die Melodie von der Brücke am Kwai. Das Papageienfutter in Form einer großen Portion aufgeweichter Pellets verspeist Molli genüsslich. Tierärztin Karin Weber „verschreibt“ ihrer Patientin zwei bis drei Tage Wellness mit Spezialfutter zum Knochenaufbau bei ihrer Mutter Luzia in Bodman. Über das weitere Schicksal der wunderschönen, sehr zutraulichen Rekonvaleszentin kann frühestens in vier bis sechs Wochen entschieden werden.

Quelle: SÜDKURIER ONLINE  www.skol.de

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